Ältere Menschen haben häufig mit Ein- und Durchschlafproblemen zu kämpfen. Musiktherapie über mindestens vier Wochen kann ihre Schlafqualität laut einer Metaanalyse maßgeblich verbessern.

[jr] Schlafprobleme betreffen bis zu 70 Prozent aller über 60-Jährigen und führen neben einer verminderten Lebensqualität zu Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und Einbußen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Eine Metaanalyse aus Taiwan will ein einfaches und nebenwirkungsfreies Mittel gegen die Schlafprobleme gefunden haben: entspannende Musik am Abend.

Unterschiedliche Musikrichtungen und Interventionsdauern

Für die Analyse wurden die Daten von fünf randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 288 Teilnehmern über 60 Jahren ausgewertet. Personen mit beeinträchtigtem Hörvermögen oder kognitiven Störungen waren ausgeschlossen. Hinsichtlich der eingesetzten Musikrichtungen und Interventionsdauer waren die analysierten Studien sehr heterogen. Von Klassik über Jazz bis New Age waren viele Musikrichtungen vertreten, die Instrumente reichten von Harfe über Klavier bis zum Synthesizer. Die Hördauer variierte zwischen 30 Minuten und einer Stunde und die gesamte Interventionsdauer reichte von zwei Tagen bis zu drei Monaten.

Langsames Tempo und einfache Melodie haben größten Effekt

Was die Studien gemeinsam hatten, war die Bewertung der Schlafqualität mittels des Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Außerdem wurde das Verzerrungsrisiko der einzelnen Studien als „gering“ bewertet. In der Analyse wurde außerdem bei allen Interventionsgruppen im Vergleich zu den Kontrollgruppen der Studien signifikante Verbesserungen der Schlafqualität gemessen. Die besten Effekte wurden mit beruhigender Musik in langsamem Tempo und unkomplizierter Melodie erzielt, die täglich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat verabreicht wurde.

Die mittlere absolute Abweichung vom arithmetischen Mittel (MD) lag bei –1,96. Beruhigende Klänge mit einem Tempo zwischen 60 und 80 bpm (beats per minute) schnitten dabei deutlich besser ab (MD –2,35) als rhythmusbetonte Musikrichtungen (MD –0,25). Bei über vierwöchigen Interventionen war der Effekt signifikant größer als bei kürzeren Interventionen.

Senkung von Sympathikusaktivität und Noradrenalinspiegel als Erklärungsansatz

Basierend auf den Ergebnissen früherer Studien erklären die Forscher den Effekt der beruhigenden Musik damit, dass sie die Sympathikusaktivität reduzieren und den Noradrenalinspiegel senken kann. Neben der Absenkung der neuroendokrinen Aktivität können auch Muskelrelaxation und gedankliche Ablenkung eine Rolle spielen.

Da die Musiktherapie weder kostenintensiv sei noch schaden könne, kann sie auf jeden Fall als Erstlinienintervention ausprobiert werden. Nach Ansicht der Forscher sei älteren Menschen mit Schlafstörungen damit womöglich sogar besser gedient als mit schlaffördernden Medikamenten.

Quelle: Springer Medizin

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