Eine Metaanalyse zeigt, dass der Placeboeffekt bei chronischen lumbosakralen Rückenschmerzen sowohl hinsichtlich der Schmerzreduktion als auch den funktionellen Einschränkungen eine bedeutende Rolle spielt. Bei akuten Rückenschmerzen gilt dies jedoch nicht.

[jr] In der Schmerztherapie spielt der Placeboeffekt oft eine überraschend große Rolle, insbesondere bei chronischen Schmerzen. Dies können sich Therapeuten zunutze machen, um die Wirksamkeit der Behandlung zu verstärken. Eine niederländische Metaanalyse zeigt, dass dies auch für die Therapie chronischer lumbosakraler Rückenschmerzen gilt.

In die Analyse wurden 18 randomisiert-kontrollierte Studien einbezogen, an denen rund 1.700 Patienten teilgenommen hatten. Als Placebointervention wurde in fünf dieser Studien Scheinakupunktur verwendet, in drei Scheinmanipulation, in zwei Kochsalzinjektionen und in drei Placebopillen. Die übrigen fünf Studien verwendeten andere Methoden, etwa vorgetäuschte Laser- und Ultraschallanwendungen.

Kein Unterschied bei akuten Rückenschmerzen

In drei Studien wurden Probanden mit akuten Rückenschmerzen behandelt, die übrigen richteten sich an Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Bei den Studien mit akuten Schmerzen zeigte sich kein Placeboeffekt, also kein signifikanter Unterschied zwischen Scheinbehandlung und Nichtbehandlung der Patienten. Lediglich eine der Studien deutete hinsichtlich der funktionellen Einschränkungen bei akuten Schmerzen auf einen minimal besseren Effekt der Scheinbehandlung als der Nichtbehandlung hin; dieser Unterschied war jedoch nicht signifikant.

Deutlicher Placeboeffekt bei chronischen Rückenschmerzen

In den Studien mit chronischen Rückenschmerzpatienten konnte eine deutliche Schmerzreduktion unter Scheinbehandlung beobachtet werden. Diese Reduktion fiel signifikant stärker aus als in den behandlungsfreien Kontrollgruppen. Ähnliches galt für die Reduktion der funktionellen Einschränkungen.

Es konnte also ein deutlicher Placeboeffekt festgestellt werden. Die Effektstärke bewerteten die Forscher sowohl für die Schmerzreduktion (Standardized Mean Difference (SMD) = 0,52) als auch die funktionellen Einschränkungen (SMD = 0,57) als moderat.

 

Quelle: ÄrzteZeitung

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