Schrittzahl, Puls, Blutdruck und mehr: Smartphone, Smartwatch und Fitnesstracker sammeln Daten auf Schritt und Tritt. Aber was verraten die Messwerte über die bloßen Zahlen hinaus? Wie können die Daten vor Dritten geschützt werden?

[jr] Diesen Fragen geht das Team von Rechtsinformatiker Christoph Sorge an der Universität des Saarlandes in einem großen Studienprogramm zu Datenschutz und Anonymität auf den Grund. Das Forschungsteam ruft Interessierte auf, die Studien mit anonymisierten Daten zu unterstützen.

„Schrittdaten wirken auf den ersten Blick nicht sensibel, sind es aber durchaus. Es ist etwa möglich, einzelne Personen allein anhand ihrer Schritte zu identifizieren“, sagt Prof. Christoph Sorge, Rechtsinformatiker an der Universität des Saarlandes. Diese Zahlen können verraten, wann ihr Verursacher morgens in Gang kommt, wann er mehr und wann weniger unterwegs ist: für sich betrachtet alles recht harmlos, in Summe aber doch vielsagend. „Kommen mehrdimensionale Daten hinzu, etwa Herzfrequenz, Schlafverhalten oder GPS-Ortung, ist es theoretisch möglich, sehr individuelle Profile zu erstellen“, erläutert Sorge. Und solche Profile samt Aufenthaltsort und Lebensgewohnheiten sind für viele interessant, nicht nur zum Zwecke passgenauer Werbung. „Es besteht das potenzielle Risiko des Ausspähens durch Dritte, für die die Daten nicht gedacht sind, und die so Einblicke in Privates erhalten“, sagt Sorge.

Das Team um den Rechtsinformatiker geht in mehreren Forschungsprojekten der Frage auf den Grund, wie Schritt- und Gesundheitsdaten sicher geschützt werden können. Für eine neue, anonymisierte Datenbank suchen die Forscher Daten von Gesundheits- und „Wearable“-Trackern, also von am Körper getragenen Datensammlern wie Smartwatches oder Smartphones. Sie rufen hierbei speziell Nutzer von Apple-Geräten auf, sich mit ihren Daten an dieser Forschung zu beteiligen. Dies hat allein technische Gründe: Das sogenannte Apple Health Framework bringt die Gesundheitsdaten der verschiedenen Anbieter von Gesundheits-Apps in eine strukturierte und vergleichbare Form und dies ist Voraussetzung für die Forscher, um die Daten entsprechend anonymisiert auslesen zu können.

„Wir erforschen, wie wir solche Wearable-Daten anonymisieren und verschlüsseln können“, erklärt Sorge. Auch als Grundlage für Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionen soll der Datenfundus dienen. „Das Studienprogramm will dazu beitragen, Anonymisierung besser zu verstehen und sie stärker in die Praxis zu bringen“, sagt der Rechtsinformatiker. Vor allem an Schritt-, Sport- und Gesundheitsdaten sind die Forscher interessiert.

Quelle: Medica, Universität des Saarlandes

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