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16. September 2021

Adhärenz bei chronischen Kreuzschmerzen: Die Perspektive der Betroffenen untersuchen

Ziel eines neuen Studienprojektes ist die Identifizierung von Faktoren, welche die Umsetzung des selbstständigen Trainings beeinflussen. Derzeit werden noch Probandinnen und Probanden für diese qualitative Studie gesucht.

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GlebStock / shutterstock.com

Bei Low Back Pain (LBP; unterer Rückenschmerz) haben die Betroffenen Schmerzen oder Beschwerden in der Region zwischen den unteren Rippen bis zur Glutealfalte, eventuell kommt es auch zu Schmerzen in den Beinen (1). Halten die Schmerzen länger als drei Monate an und variieren in ihrer Intensität, spricht man von chronischen Schmerzen (2).  Mit dem Alter steigt die Prävalenz linear an, am häufigsten sind Personen zwischen 50 und 60 Jahren betroffen (3).

Das Beschwerdebild lässt sich in spezifische LBP (SLBP) und nicht-spezifische LBP (NSLBP) unterteilen. Auslöser für SLBP sind zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, Entzündungen, Frakturen und weitere Pathologien. NSLBP ergibt sich hingegen aus dem Ausschluss bekannter Pathologien und lässt sich keiner eindeutigen Ursache unterordnen. Ungefähr 90 Prozent aller Patienten mit LBP lassen sich dem NSLBP zuordnen. (4)

Die Förderung von Adhärenz und eigenständigem Training ist für diese Zielgruppe sehr wichtig: Beispielsweise ist LBP 2010 der weltweit größte beitragende Faktor für die krankheitsverlorene Zeit gewesen (5). Der gemessene Parameter hierfür lautet „Years of healthy life lost due to disability“ (YLD) (6). Nennenswert ist darüber hinaus auch der Parameter „Disability-adjusted life years“ (DALY), da dieser den Verlust von einem Jahr voller Gesundheit angibt – zusammengerechnet aufgrund von vorzeitiger Mortalität und den YLDs (7). 2010 befand sich LBP auf Platz 6 der Liste der DALYs (5).

Des Weiteren betrugen die Krankheitskosten (direkte und indirekte Kosten) für Rückenschmerzen im Jahr 2015 in Deutschland knapp 4,5 Milliarden Euro. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern akkumulieren sich die größten Kosten im Altersbereich zwischen 45 und unter 65 Jahren. (8)
Im Jahr 2018 wurden bei der Barmer Krankenkasse 43,5 Prozent der physiotherapeutischen Versorgung aufgrund von Wirbelsäulenerkrankungen in Anspruch genommen. In Bezug auf die Kosten entspricht das 31,7 Prozent der Ausgaben des Heilmittelbereichs Physiotherapie oder circa 227,4 Millionen Euro. (9)

Methode

Für die Bearbeitung der Fragestellung in diesem Projekt kommt ein qualitatives Forschungsdesign zum Einsatz, um die Perspektive von Menschen mit NSLBP in den Fokus zu setzen. So können auch persönliche und kontextbezogene Faktoren einbezogen werden. Die Nähe zum Patienten hilft dabei, diese Faktoren zu identifizieren und zu interpretieren. Darüber hinaus erzeugt die meist offenere Fragestellung der qualitativen Forschung ein breiteres Spektrum an Antwortmöglichkeiten und erhöht somit das Potenzial des Erkenntnisgewinns – auch in Bezug auf unerwartete Ergebnisse. (10)

Aufbau der Interviews

Die Interviews werden mit den Betroffenen einzeln durchgeführt, danach kommt ein Kurzfragebogen zum Einsatz. Der Forschungsleiter zeichnet das Interview sowohl mit einem Diktiergerät als auch einem Smartphone auf. Die Verschriftlichungen dienen dann der Analyse und Interpretation der Daten. Alle Daten werden anonymisiert.

Interviewort

Für die online Umsetzung steht uns die Kommunikationsplattform (BigBlueButton) zur Verfügung. Sofern die Teilnehmenden im Raum Freiburg wohnen, können die Interviews auf Wunsch aber auch im häuslichen Umfeld durchgeführt werden. Darüber hinaus stehen die Räumlichkeiten der Hochschule Furtwangen zur Verfügung.

Bei Interesse an der Studie oder auch weiteren Rückfragen ist der Studienkoordinator Chris Lehmann unter folgenden Kontaktdaten zu erreichen:

E-Mail:           chris.lehmann@hs-furtwangen.de

Tel:                   0176 57607466

Literatur

  1. Burton AK, et al. 2006. Chapter 2. European guidelines for prevention in low back pain : November 2004. Eur. Spine J. 15 Suppl 2: 136-168
  2. Alfuth M, et al. 2018. Chronischer Rückenschmerz. CME, 15, 6: 9–24
  3. Meucci RD, et al. 2015. Prevalence of chronic low back pain: Systematic review. Rev. Saude Publica 49: 1
  4. Koes BW, et al. 2006. Diagnosis and treatment of low back pain. BMJ 332(7555):1430-1434
  5. Hoy D, et al. 2014. The global burden of low back pain: Estimates from the Global Burden of Disease 2010 study. Annals of the Rheumatic Diseases, 73(6), 968–974
  6. WHO. 2021. Years of healthy life lost due to disability (YLD). https://www.who.int/data/gho/indicator-metadata-registry/imr-details/160; Zugriff am 30.03.2021
  7. WHO. 2021. Disability-adjusted life years (DALYs). https://www.who.int/data/gho/indicator-metadata-registry/imr-details/158; Zugriff am 30.03.2021
  8. Statistisches Bundesamt. 2021. Krankheitskosten: Deutschland, Jahre, Krankheitsdiagnosen (ICD-10), Geschlecht, Altersgruppen. https://pt.rpv.media/3v4; Zugriff am 15.09.2021
  9. BARMER. 2019. Heil- und Hilfsmittelreport 2019. zweiband.media GmbH
  10. Flick U. 2013. Qualitative Forschung: Ein Handbuch (Orig.-Ausg). Rororo Rowohlts Enzyklopädie:    Vol. 55628. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag