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20. September 2021

Feinstaub: Schon geringe Mengen erhöhen Sterberisiko

Die Grenz- und Richtwerte für Luftverschmutzung sind offenbar deutlich zu hoch angesetzt. Eine internationale Langzeitstudie hat offenbart, dass bereits deutlich geringere Konzentrationen das Sterberisiko erhöhen.

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Pornprasert Khanchitchai / shutterstock.com

Die Gefahren von Feinstaub für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System sind bekannt, weshalb es weltweit Grenz- und Richtwerte gibt. Diese Feinstaub-Grenzwerte sind jedoch offenbar zu hoch angesetzt. Eine internationale Studie hat gezeigt, dass Luftverschmutzung auch unterhalb des Limits gefährlich ist und das Sterberisiko erhöht.

Erste Untersuchung in ländlichen Gegenden

Bisher fehlten aussagekräftigen Erhebungen unter Personen, die nur niedrigen Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt waren, da die meisten Studien zur Erhöhung der Sterblichkeit durch Feinstaub- und Stickoxidbelastung in Städten mit relativ hohen Schadstoffkonzentrationen stattfanden. Das macht die ELAPSE-Studie (Effects of Low-Level Air Pollution: A Study in Europe) zu etwas Besonderem: Alle Probandinnen und Probanden leben in eher ländlichen, das heißt feinstaubärmeren Umgebungen. Die Ergebnisse der multizentrischen Studie mit rund 170 000 Teilnehmenden basieren auf den Daten von acht bevölkerungsbasierten Kohorten aus sieben europäischen Ländern.

Sterberisiko steigt durch Feinstaub, Stickoxid und Rußpartikel

In den Wohnorten der teilnehmenden Personen wurde die Luft auf die Belastung mit Feinstaub (Durchmesser kleiner als 2,5 µm; PM2.5), Stickstoffdioxid (NO2), Ozon (O3) und Rußpartikeln untersucht. Die durchschnittliche Beobachtungdauer betrug 19,5 Jahre. In diesem Zeitraum konnte mit einer Erhöhung des Feinstaubwertes in der Luft um 5 µg/Kubikmeter ein Anstieg des Sterberisikos um 13 Prozent festgestellt werden.

Bei Personen, in deren Wohnorten die Belastung weniger als 12 µg/Kubikmeter betrug, ging eine Erhöhung des Feinstaubwertes in der Luft um 5 µg/Kubikmeter sogar mit einem 30 Prozent höheren Sterberisiko einher. Zum Vergleich: In der EU gilt ein Feinstaubgrenzwert von 25 µg/Kubikmeter für PM2.5.

Für Stickoxid und Rußpartikel konnte selbst bei geringen Konzentrationen ein Anstieg des Sterberisikos beobachtet werden.

Geltende Grenzwerte zu hoch angesetzt

Luftverschmutzung scheint somit auch bei niedrigen Verschmutzungswerten unterhalb der geltenden Grenz- und Richtwerte als gesundheitsschädlich. Die an der Studie betiligten Forscherinnen und Forscher hoffen, dass diese Erkenntnis in die Debatte rund um die Überarbeitung von Luftqualitätsgrenzwerten einfließen wird.

Quellen: Informationsdienst Wissenschaft, Originalstudie 

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