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17. November 2021

Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2022: 8,5 Millionen Menschen betroffen

Die aktuelle Zahl der Menschen mit einem dokumentierten Typ-2-Diabetes ist in Deutschland auf 8,5 Millionen gestiegen. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von mindestens zwei Millionen weiteren Betroffenen. Auch in Zukunft wird mit einem Anstieg der Diabetesprävalenz gerechnet. Die Nationale Diabetesstrategie wurde zwar vor über einem Jahr verabschiedet, eine wesentliche Umsetzung ist jedoch bisher nicht erfolgt.

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Dabei müsste gerade die COVID-19-Pandemie die neue Regierung aufrütteln, für Menschen mit Diabetes mellitus, kardiovaskulären Risikofaktoren und Adipositas zeitnah verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen umzusetzen, mahnen Expertinnen und Experten im neuen „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2022”. Die jährlich erscheinende Publikation legte zum Weltdiabetestag am 14. November 2021 neueste Zahlen und Fakten zur Erkrankung Diabetes mellitus in Deutschland vor. Herausgeberinnen sind die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Erhöhte Rate bei Kindern und Jugendlichen

Der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2022 benennt Daten zur Diabetes-Epidemiologie, erörtert aber auch die speziellen Aspekte der Diabetologie unter Pandemiebedingungen: „In Deutschland zeigt sich für 2020 eine erhöhte Rate schwerer Stoffwechselentgleisungen bei Manifestation eines Typ-1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Neu, DDG-Präsident und Mitautor des Kapitels dazu. „In der ersten Phase der COVID-19-Pandemie lag der Fokus auf dem Infektionsgeschehen, andere Krankheitszeichen wurden entweder nicht wahrgenommen oder zu spät erkannt. In einzelnen Altersgruppen hat sich dadurch die Rate der schweren, teilweise lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisungen nahezu verdoppelt. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung“, betont der Kinderdiabetologe.

Leitliniengerechtes Diabetesmanagement

„Durch die Coronapandemie wurde neben Politik und Gesellschaft auch Menschen mit Typ-2-Diabetes schlagartig bewusst, dass ihre Erkrankung tödlich sein kann. Wir können nur an die Ampel-Koalitionäre eindringlich appellieren, sich dem Problem anzunehmen“, ergänzt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Auch wenn Expertinnen und Experten schon lange wissen, dass auch ohne Corona jeder 5. Todesfall auf Diabetes zurückzuführen ist, so macht sich in der Bevölkerung zunehmend die Erkenntnis breit, dass Diabetes nicht ‚ein bisschen Zucker‘ ist, sondern eine gefährliche Erkrankung.“ Der niedergelassene Diabetologe mahnt im Kapitel „Unverzichtbare Handlungsfelder aus Sicht der Menschen mit Diabetes – Probleme, Lösungen, Erfolge“: „Umso wichtiger sind für Menschen mit Diabetes eine bestmögliche Versorgung und ein leitliniengerechtes Diabetesmanagement!“

Komplikationen & Folgeerkrankungen

Darüber hinaus gehen Experten auf die häufigsten Komplikationen und Folgeerkrankungen des Diabetes ein. In Beiträgen wie „Diabetes und Augenerkrankungen“, „Diabetes und Niere 2021: ein Update“ oder „Diabetes und Nervenerkrankungen“ beleuchten sie neueste Zahlen und Behandlungsansätze. Auch „Diabetes als besondere Herausforderung der Geriatrie in Deutschland: ein Update“ und „Diabetes mellitus im (Arbeits-)Alltag – das persönliche Umfeld wirkt mit!“ sind Themen der Veröffentlichung. Neu im „Gesundheitsbericht Diabetes 2022“ sind außerdem die Beiträge „Diabetologie aus Sicht des medizinischen und wissenschaftlichen Nachwuchses“ und „Disease-Management-Programm Adipositas: der Auftrag an den G-BA“.

Der Bericht umfasst rund 276 Seiten und ist in Kürze auf der Internetseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe kostenfrei als herunterladbare PDF-Datei oder gedruckt für 17,50 Euro zuzüglich Versandkosten beim Kirchheim-Verlag erhältlich.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft

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