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18. November 2021

Studiendaten belegen Wirksamkeit von Medizinischer EMS bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen

Experten sind sich einig: Medizinische Elektromyostimulation (EMS) ist bei nicht-spezifischem Rückenschmerz wirksam und effektiv und kann sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie bereits chronifizierter Rückenschmerzen eingesetzt werden.

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miha bodytec GmbH

Das innovative Konzept zeigte sich in Studien von Menschen mit chronisch nicht-spezifischen Rückenschmerzen vergleichbar wirksam wie konventionelle Strategien zur Rückenkräftigung sowie zu einem als Goldstandard anerkannten multimodalen Behandlungskonzept – allerdings bei einer deutlich günstigeren Zeiteffizienz von nur 20 Minuten einmal wöchentlich.(1,2)

Damit bietet Medizinische EMS zukünftig eine innovative Lösung zur Vorbeugung und Therapie nicht-spezifischer Rückenschmerzen unter fachgerechter Anwendung in der physiotherapeutischen Praxis.

Rückenschmerzen – ein Gesellschaftsthema mit Lösungsbedarf

Rückenschmerzen sind mittlerweile ein allgegenwärtiges Thema in der heutigen Gesellschaft.
In Deutschland zählen Rückenschmerzen zu den häufigsten Beschwerden: Rund 85 % der
Bevölkerung leidet einmal im Leben darunter. (3) Die Ursachen für eine Arbeitsunfähigkeit werden von Rückenschmerzen angeführt. (3) Bei 80 % der Rückenschmerzen handelt es sich um nicht-spezifische Rückenschmerzen. (4) Ihnen liegt keine behandelbare somatische Ursache, wie etwa ein Bandscheibenvorfall oder ein Tumor, zugrunde. (3) Sie entstehen meist auf der Basis von Funktionsstörungen der Muskulatur.(5) Da nicht-spezifische Rückenschmerzen bei rund zwei Drittel der Fälle chronisch werden, ist das erklärte Therapieziel die Vermeidung einer Chronifizierung.(3) Dass es langfristig umsetzbare neue Strategien für Betroffene braucht, zeigen Daten schon seit Jahren. Eine innovative, evidenzbasierte Alternative zu den etablierten Präventions- und Therapiemethoden bei Rückenschmerzen ist die Medizinische EMS, deren Anwendung sich in Studien als vergleichbar wirksam gezeigt hat.(1,2)

Medizinische EMS versus konventionelles Rückenkräftigungstraining

In einer Studie um Dr. Anja Weißenfels wurde die Medizinische EMS mit einem konventionellen Rückenkräftigungstraining bei Menschen mit chronisch nicht-spezifischem Rückenschmerz verglichen. (2) Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Behandlungsarm mit Medizinischer EMS einmal wöchentlich eine 20-minütige Session für insgesamt 12 Wochen absolvierten, unterzogen sich diejenigen des aktiven Kontrollarms einem einmal wöchentlichen, 45-minütigen Training zur Stärkung und Stabilisierung der Rumpfmuskulatur für insgesamt 12 Wochen. Im primären Endpunkt zeigte sich eine signifikante Abnahme der mittleren Schmerzintensität in beiden Gruppen (Medizinische EMS: -22,3 ± 20,9 % vs. konventionelles Training: -30,2 ± 43,9 %; p ≤ 0,001) ohne einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (p = 0,160). Im sekundären Endpunkt konnte eine signifikante Zunahme der maximalen isometrischen Kraft (p ≤ 0,001) der Rumpfmuskulatur in beiden Studiengruppen ohne signifikanten Unterschied beobachtet werden (Rückenmuskulatur: p = 0,297; Rumpfbeuger: p = 0,707): Für die Rückenmuskulatur zeigte sich eine signifikante Zunahme der isometrischen Kraft um 15,6 (± 24,9 %) in der Medizinischen EMS-Gruppe vs. 23,0 (± 30,9 %) in der aktiven Kontroll-Gruppe. Auch für die Rumpfbeuger konnte eine Zunahme der isometrischen Kraft um 17,6 (± 24,8 %) in der Medizinischen EMS-Gruppe vs. 18,1 (± 24,8 %) in der Gruppe mit konventionellem Training nachgewiesen werden.

Medizinische EMS versus multimodale Behandlung

Eine weitere Studie untersuchte die Wirksamkeit von Medizinischer EMS bei Rückenschmerzpatientinnen und -patienten im Vergleich zu einem als Goldstandard geltenden multimodalen Behandlungskonzept zur Therapie von Rückenschmerz. (1) Während der Behandlungsarm mit Medizinischer EMS einen zeitlichen Aufwand von einmal wöchentlich 20 Minuten für 6 Monate hatte, wurde das multimodale Behandlungsprogramm der aktiven Kontroll-Gruppe an 5 Tagen pro Woche von 9 bis 16 Uhr für 4 Wochen absolviert. Ein dritter Studienarm schloss Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit gesundem Rücken ohne Behandlung ein. Die Studienergebnisse zeigten eine klinisch signifikante Verbesserung um 2 Punkte in der numerischen Rating-Skala (NRS, 1–10), eine Reduktion um 19,7 Punkte im Oswestry Disability Index (ODI) sowie signifikante Verbesserungen im North American Spine Society Instrument (NASS) und diversen Short Form (SF)-36-Items für die Medizinische EMS-Gruppe. Daraus lässt sich eine signifikante Reduktion des Schmerzempfindens sowie eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität ableiten. Für die aktive Kontroll-Gruppe ließen sich leichte Verbesserungen der muskulären Funktion, aber keine signifikanten Verbesserungen des Schmerzempfindens verzeichnen.

Fazit zur Medizinischen EMS

Die Ergebnisse der beiden Studien belegen, dass Medizinische EMS eine mindestens gleichwertig wirksame Alternative zu konventionellen Rückenkräftigungstrainings und Therapiemodellen bei nicht-spezifischem Rückenschmerz ist – mit einem deutlich geringeren Zeitaufwand.

Für wen Medizinische EMS geeignet ist

Medizinische EMS ist für folgende Personengruppen besonders geeignet:

  • für Menschen, die wenig Zeit haben, aber für sich und ihren Rücken etwas tun
    möchten oder müssen
  • für Menschen, denen es schwerfällt, sich für körperliche Bewegung zu motivieren
  • für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen orthopädischer oder auch
    internistischer Art

Hohe Sicherheit durch fachgerechte Anwendung unter physiotherapeutischer
Betreuung

In der praktischen Umsetzung sollte Medizinische EMS nur in Begleitung von speziell ausgebildetem Fachpersonal durchgeführt werden – eine Anwendung im Home-Setting ist nicht empfehlenswert. Durch die individuelle Betreuung von Therapiefachkräften in einem 1:1- bzw. maximal 1:2-Setting, ist die Methode besonders sicher und individuell auf die Bedürfnisse und gesundheitlichen sowie bewegungsphysiologischen Möglichkeiten von Betroffenen abstimmbar. Die von einem Expertenteam entwickelten Safety First Leitlinien geben die Anwendung Medizinischer EMS in einem spezifisch auf Patientinnen und Patienten festgesteckten Rahmen mit konkreten Richtlinien vor und sorgen damit für eine sichere und dabei wirksame Umsetzung in der Praxis.(6) Medizinische EMS eröffnet damit ganz neue Möglichkeiten zur Prävention und Therapie nicht-spezifischer Rückenschmerzen, die wirksam, sicher und zeiteffizient in der physiotherapeutischen Praxis umsetzbar sind.

Literatur:

  1. Konrad KL et al. The effects of whole-body electromyostimulation (WB-EMS) in comparison to a multimodal treatment concept in patients with non-specific chronic back pain – a prospective clinical intervention study. PLoS ONE 2020; 15(8): e0236780
  2. Weissenfels A et al. Comparison of Whole-body electromyostimulation versus recognized back-strengthening exercise training on chronic nonspecific low back pain: a randomized controlled study.” Biomed Res Int 2019: 5745409
  3. Nationale Versorgungsleitlinie: Nicht-spezifischer Kreuzschmerz; Langfassung. 2. Auflage, 2017, AWMFRegister-Nr.: nvl-007
  4. Bork H. Nicht spezifischer Rückenschmerz. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2017; 12(06): 625–641
  5. Chibuzor-Hüls J, Casser H-R und Geber C. Wenn Rückenschmerzen chronisch werden. Schmerzmedizin 2020; 36 (4): 40–48
  6. Safety first, Update 20/2020, powered by EMS-Training.de
  7. Kemmler W et al. Efficacy and Safety of Low Frequency Whole-Body Electromyostimulation (WB-EMS) to Improve Health-Related Outcomes in Non-athletic Adults. A Systematic Review. Front Physiol 2018; 9: 573. pmid:29875684
  8. Filipovic A et al. Electromyostimulation – a systematic review of the effects of different electromyostimulation methods on selected strength parameters in trained and elite athletes. In: J Strength Cond Res. 2012; 26(9): 2600–2614.
  9. Baek SO et al. Activations of deep lumbar stabilizing muscles by transcutaneous neuromuscular electrical stimulation of lumbar paraspinal regions. Annals of rehabilitation medicine 2014; 38 (4): 506–513.
  10. Sutor V und Müller S. EMS-Training – quo vadis? bodyLIFE by bodyLIFE Medien GmbH 2020; 10

Quelle: miha bodytec

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