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12. November 2021

Therapiegipfel 2021 digital – viele Akteure aus der Therapie, keine Verantwortlichen aus der Politik

Der TherapieGipfel mit den Vorsitzenden der vier Mitgliedsverbände des SHV tagte heute am 12. November von 13 bis 15 Uhr. Hier gibt es ein paar Eindrücke und wichtige Aspekte, die zur Sprache kamen.

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valeryvoronessa / shutterstock.com

[tb] Im Vorfeld hatten sich die Verantwortlichen folgende Schwerpunkte auf die Agenda gesetzt:

  1. Therapeutische Potenziale durch mehr Autonomie und interprofessionelle Zusammenarbeit in der Behandlung erhöhen.
  2. Wirtschaftliche Praxisführung und angemessene Gehälter ermöglichen und damit die therapeutische Versorgung sicherstellen.
  3. Digitalisierung und weiteren Abbau der Bürokratie etablieren, um Verwaltungszeit zu reduzieren und Behandlungsqualität zu steigern.
  4. Modernisierung der Berufsgesetze und damit Anpassung an die Versorgungsbedarfe.

Unter der Moderation von Martin von Berswordt-Wallrabe diskutierte eine prominent besetzte Runde zu den aktuellen Themen der Zeit. Mit dabei waren Prof. Dr. Annette Probst (HAWK Hildesheim), Franz Knieps (BKK), Andras Pfeiffer (DVE), Hans Ortmann (VPT), Andrea Rädlein (Physio Deutschland) und Ute Repschläger (IFK). Die angekündigten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem politischen Feld hatten sich allerdings entschuldigen lassen. Nicht gekommen zur Runde waren Stephan Pohlkamp (MAGS NRW) und Dr. Sonja Optendrenk (BMG).

Herr Spahn findet die Verhandlungsergebnisse super …

Zu Beginn des Digital-Events stimmte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Teilnehmenden mit einer Videobotschaft ein. Er wies unter anderem auf neue Entwicklungen hin, wichtige Stichworte fielen, darunter zum Beispiel Videotherapie und Blankoverordnung. Die Einschätzung des Ministers zu den letzten Vergütungserhöhungen waren allerdings unerwartet positiv – wenn man sich die Diskussionen und die eingeleiteten Schritte nach den Ergebnissen in Erinnerung ruft, verwundert diese Beurteilung doch ein wenig.

Nach einem Intro zur Lage der Therapieberufe startete die Diskussion, die verdeutlichte, dass die bisherigen Ergebnisse für die in den Praxen tätigen Menschen gar nicht so super sind. In dieser rund zweistündigen Diskussion thematisierte die Runde aus vorwiegend Therapeutinnen und Therapeuten einen bunten Strauß an aktuellen Themen.

Keine Zeit, kein Geld und keine Anerkennung

Andreas Pfeiffer betonte unter anderem die Bedeutung interprofessioneller Zusammenarbeit und die derzeit noch vorhandenen Defizite. Interesse und Bereitschaft seien da, aber es fehle meist an der Zeit.

Auch um die immer noch zu geringe Vergütung drehte sich die Runde immer wieder – jedoch ohne neue Ergebnisse. Das große Problem ist alles in allem die fehlende Attraktivität der Berufsbilder. Da waren sich die Diskutantinnen und Diskutanten auf Seite der Therapeuten weitgehend einig.

Die Chancen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung waren natürlich auch ein Thema. Viele seien schon bereit, war man sich einig.

Die Akademisierung muss nun endlich auch in Deutschland vorangetrieben werden. Deutschland ist das Schlusslicht und man kann und muss sich fragen, warum sich Deutschland in dieser Entwicklung so schwertut. Akademisierung ist kein Selbstzweck, das wurde mehrfach betont, sie dient der Verbesserung der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Und der Ball liegt im Feld der Politik, so Prof. Annette Probst. Schade nur, dass aus dem politischen Spielfeld keine eingeladene Person Zeit hatte, am Therapiegipfel teilzunehmen und den Ball aufzunehmen.

Aus Sicht der Kostenträger gibt es ein hohes Interesse an einer integrierten Versorgung. Entwicklungsprojekte anzustoßen ist eine Möglichkeit der Krankenkassen, erklärte Franz Knieps in diesem Kontext. Er betonte außerdem, dass die Kassen ab 2023 defizitär sein werden.

Dem entgegnet wurde, dass es langfristig nicht nachhaltig ist, immer nur in Modellprojekten zu agieren. Die Therapieberufe brauchen natürlich irgendwann richtige Perspektiven, wie diese innovativen Entwicklungen dann auch in der Realität ankommen. Außerdem wäre mehr Versorgungsforschung wichtig, um neue Wege, zum Beispiel im Bereich der Blankoverordnung, mit Daten unterstützt gehen zu können.

Und die Patientinnen und Patienten?

Man müsste die ganze Situation viel mehr aus der Perspektive der Patientinnen und Patienten betrachten, denn die können unter den gegebenen Rahmenbedingungen einfach nicht qualitativ hochwertig und evidenzbasiert behandelt werden. Auch das war ein wichtiges Statement, das die Politik hätte hören sollen.

Wann kümmert sich die Politik um die Situation?

Eine wichtige Message aus der Runde heute: Es braucht Mut zu Veränderungen! Dann wäre es jetzt gut, wenn die Politik sich für die Belange der Therapieberufe interessieren würde …

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