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13. Dezember 2021

Virtual Reality: Athletischer Avatar fördert reale Leistung

Ein Forscherteam der Universität Regensburg, rund um die Professoren Niels Henze und Christian Wolff vom Lehrstuhl für Medieninformatik hat den Proteus-Effekt, d.h. die Frage, wie in der virtuellen Realität die Darstellung und Wahrnehmung des eigenen Avatars die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflusst, untersucht.

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Eitchiko / shutterstock.com

Avatare in der virtuellen Realität (VR) ermöglichen verkörperte Erfahrungen und lösen den Proteus-Effekt – eine Veränderung des Verhaltens und der Einstellung auf Grund des visuellen Erscheinungsbilds der eigenen digitalen Repräsentation, aus. Eine frühere Studie der Regensburger Medieninformatiker hatte bereits gezeigt, dass Avatare, die mit physischer Stärke assoziiert werden, die wahrgenommene Anstrengung der Nutzerinnen und Nutzer bei der Ausführung körperlicher Aufgaben verringern können. Bislang war jedoch unbekannt, ob das Aussehen eines Avatars auch die physiologische Reaktion der Nutzerinnen und Nutzer auf körperliche Anstrengung beeinflusst.

In der von Martin Kocur, Mitarbeiter und Doktorand der Medieninformatik an der UR, entworfenen Studie wurde ein Experiment mit 24 Teilnehmern durchgeführt, um die Auswirkungen der Sportlichkeit von Avataren auf die Herzfrequenz und die wahrgenommene Anstrengung beim Radfahren in VR nach einem standardisierten Protokoll zu messen. Die Forscher entwarfen sechs Avatare von Männern und Frauen mit sportlichem, mittlerem und unsportlichem Körperbau. In der Studie radelten die Teilnehmenden auf dem Ergometer während sie Virtual-Reality-Headsets trugen. In der VR verkörperten sie jeden der drei Avatare auf einem stationären Fahrrad und radelten vor einem Spiegel, um den virtuellen Körper während der Anstrengung sehen zu können.

Die Teilnehmenden trugen Herzfrequenzmessgeräte und bewerteten während des Fahrradfahrens regelmäßig, wie sehr sie sich anstrengten, während ihre Fahrräder ihre Trittfrequenz aufzeichneten. Im Anschluss an die Übung wurde abgefragt, wie fit die Probandinnen und Probanden ihren Avatar fanden und wie sehr sie das Gefühl hatten, den Avatar tatsächlich zu verkörpern.

Im Ergebnis hatten die Teilnehmenden bei durchtrainierten Avataren das Gefühl, sich weniger angestrengt zu haben, und tatsächlich zeigte die Auswertung der erhobenen Daten, dass die Herzfrequenz niedriger war. Umgekehrt hatten die Teilnehmenden bei den unsportlicheren Avataren ein Gefühl größerer Anstrengung und faktisch eine höhere Herzfrequenz. „Diese Ergebnisse sind sehr spannend, denn sie zeigen was für einen Einfluss Avatare auf den Menschen und die physiologischen Reaktionen des Körpers haben können“ sagte Martin Kocur. Die Forscher fanden somit heraus, dass die Sportlichkeit der Avatare einen signifikanten und systematischen Einfluss auf die Herzfrequenz und die wahrgenommene Anstrengung hat.
„Nun muss es unser Ziel sein in Zukunft mehr über die Effekte zu lernen, damit wir uns diese zu Nutze machen und systematisch anwenden können, um effektivere Avatare und virtuelle Welten zu gestalten“ so Kocur. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zum immer populärer werdenden Bereich der VR-Fitnessanwendungen.

Die Ergebnisse wurden erstmals auf der ACM CHI-Konferenz, der internationalen Top-Konferenz im Bereich Mensch-Maschine-Interaktion, vorgestellt und anschließend in der Zeitschrift „Popular Science“ veröffentlicht.

Quelle: idw, Originalpublikation

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