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14. Mai 2022

Ein Ökosystem für die gesamte Therapiebranche

Im Gespräch mit Malte Petry

Viele Praxen haben zwar volle Terminkalender, kämpfen aber trotzdem mit den Herausforderungen der gesetzlichen Vorgaben. Gerade die Optimierung der Versorgungsabläufe ist ein wichtiges Thema – denn wer sich gut organisiert, hat mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. Ein Team aus engagierten Akteuren aus der Therapie-, Medien- und IT-Branche hat nun eine neue Lösung entwickelt. Die pt hat nachgefragt.

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Therapiefix

Ihr habt mit TherapieFix gerade ein neues Angebot gelauncht – wann und wie entstand die Idee zu dieser neuartigen Plattform?

Die „Ur-Idee“ hatte ich vor einiger Zeit. Meine erste berufliche Station nach dem Studium war eine interdisziplinär arbeitende Therapiepraxis in Duisburg mit drei Standorten. Als Geschäftsführer einer der Einrichtungen habe ich dann oft selbst gemerkt, wo der Schuh im Bereich der gesamten Praxisorganisation drückt und mit welchen Problemen wir uns intern im Team ständig herumschlagen. Woran fehlt es eigentlich bei der Steuerung von Terminanfragen und -vergaben? Das war eine der wichtigsten Fragen. Diese eigenen Erfahrungen lieferten dann letztendlich die Initialzündung für die Entwicklung neuer Wege.

Ja, und dann habe ich mich hingesetzt, überlegt, wie eine sinnvolle Lösung aussehen könnte, mit Leuten gesprochen und Feedback eingeholt. Anfangs reifte die Idee in der Freizeit, irgendwann kam der Entschluss, die Sache ernsthaft anzugehen, sich zu fragen, wie die Finanzierung aussehen könnte und wie sich das passende Team dazu aufstellen lässt.

Du bist Teil eines Teams von Akteuren aus der Therapie-, Medien- und IT-Branche. Wie habt ihr euch gefunden und festgestellt, dass ihr etwas Neues entwickeln wollt?

Das jetzige Team hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Ich habe schnell eine Therapeutin aus dem privaten Umfeld mit ins Boot geholt, die das gesamte Praxismanagement sehr gut kennt, und bei der ich mit meiner Idee zur Lösung verschiedener Herausforderungen sofort auf offene Ohren gestoßen bin. Sie war die erste Personalie bei uns.

Wenn man digitale Lösungen entwickelt, braucht man natürlich auch Leute aus dem IT-Bereich. Wir hatten dann zum Start zunächst eine Entwicklungsagentur beauftragt, für Preis X, Ergebnis Y zu entwickeln. Das war schwierig, weshalb wir an der Stelle dann noch einmal einen harten Cut gemacht und uns neu orientiert haben. Unser jetziger IT-Spezialist hat ein eigenes Unternehmen und kannte die Schwierigkeiten der Praxisorganisation aus der Patientenperspektive – er war daher sofort an unserer Idee interessiert. Darüber hinaus habe ich mich auch in Existenzgründerforen orientiert und mich intensiv mit Fachleuten ausgetauscht. Über diese Wege habe ich meine Mitgründerinnen und -gründer gefunden.

Ihr habt Allianzen geschaffen und euch vernetzt – wer sind eure Partner und wie ergänzt ihr euch?

Unser Ansatz ist es, die gesamte „Lebenswelt des Krankseins“ abzubilden. Betroffene wollen in der Regel schnell einen Termin haben, das ist klar. Wir möchten diesen Menschen aber noch mehr mit auf den Weg geben. Wir denken also weiter und schaffen Allianzen für morgen. Wenn Nutzende unserer Plattform zum Beispiel ad hoc mit ärztlichen Fachleuten sprechen wollen, müssen Betroffene dafür nicht zwingend in die Sprechstunde gehen. Für viele Anlässe lässt sich ja mittlerweile die Telemedizin nutzen. Für diese und weitere Bedürfnisse haben wir führende Anbieter als Partner integriert. Wir wollen empfehlen und Drittanbieter sichtbar machen. Wir suchen dabei nach den besten Firmen beziehungsweise Lösungen, die sehr gut zu uns passen. Wir möchten kooperativ und partnerschaftlich zusammenarbeiten, das ist uns wichtig. Wir gehen Allianzen ein, die für die Therapeutinnen und Therapeuten sowie die Betroffenen einen Mehrwert schaffen.

Es gibt eine Reihe von Software-Anbietern in der Branche. Inwiefern seid ihr dort schon vernetzt beziehungsweise plant ihr Kooperationen?

Wir sprechen prinzipiell mit allen kleinen und großen Anbietern von Praxisverwaltungssoftware (PVS). Bei den kleineren Anbietern ist es manchmal einfacher, Gehör zu finden, da diese Firmen häufig selbst gar keine große Innovationskraft abbilden können oder wollen. Uns ist es sehr wichtig, hier nicht in Konkurrenz zu treten. Wir liefern eine übergeordnete Plattform, wir gehen bundesweit in die Endkundenkommunikation und wir sprechen die Patientinnen und Patienten an. Das kann ein PVS-Anbieter in der Form gar nicht und das ist ja auch nicht deren Geschäftsmodell. Wir stellen einen weiteren Service zur Verfügung, der mit einem bestehenden PVS kompatibel ist. Die partnerschaftliche Kooperation mit den bekannten PVS-Anbietern ist ein sehr wichtiges Ziel für uns.

Ihr bezeichnet eure Plattform selbst als Ökosystem, was meint ihr damit?

Wir haben in der Entwicklung schnell bemerkt, dass es neben der übergeordneten Organisation der Terminvergabe noch jede Menge andere Bedürfnisse gibt. Und die können wir jetzt mit unserem technologischen Hintergrund bedienen. So sind weitere Services entstanden, wie der digitale Verordnungs-Checker, die für die Praxen kostenlosen Videosprechstunden et cetera. Wir verstehen unsere Plattform daher als Ökosystem, das verschiedene digitale Services anbietet. Wir haben zudem auch eine digitale Präventionswelt gebaut – für die Betroffenen, aber auch für die Kolleginnen und Kollegen selbst.

Ich betone noch einmal, dass wir generell nicht mit bestehenden Marktteilnehmenden in den Wettbewerb treten wollen, sondern integrative Kooperationen anstreben. Wer uns noch nicht kennt und Interesse an einer Zusammenarbeit hat, kann sich gerne bei uns melden!

Die Fragen stellte Dr. Tanja Boßmann

Malte Petry

Malte Petry

Er hat Unternehmensmanagement an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management studiert und 2017 seinen Masterabschluss gemacht. Er war fast fünf Jahre lang stellvertretender Geschäftsführer einer Therapieeinrichtung in NRW und ist Gründer der Plattform TherapieFix. m.petry@therapiefix.de