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23. Juni 2022

Ärztinnen und Ärzte sollen mehr Bewegung verschreiben

Ergebnisse des Gipfeltreffens „Rezept auf Bewegung?!“

Auf Einladung des Sports, Medicine and Health Summit, der 2023 wieder in Hamburg stattfinden wird, haben sich am vergangenen Freitag, den 17.06.2022 an der Universität Hamburg mehr als 30 Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 20 Institutionen aus Politik, Sport, Medizin und Krankenkassen auf eine intensivere Zusammenarbeit verständigt, um die Verschreibung von Bewegung in der ärztlichen Praxis zu stärken.

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Robert Kneschke / shutterstock.com

Die Verschreibung von Bewegung über Medizinerinnen und Mediziner ist ein wichtiges Instrument in der Gesundheits- und Bewegungsförderung. Mediziner sollen ihren Patientinnen  und Patienten über beispielsweise ein Rezept für Bewegung die Aufnahme von körperlicher Betätigung empfehlen – darauf einigten sich die beteiligten Akteure. In Folge einer solchen schriftlichen Empfehlung werden Patienten eher körperlich aktiv – dies wird aber selten durch Ärztinnen und Ärzte umgesetzt. Gründe für die zögerliche Beratung zu Bewegung wurden im Rahmen dieses ersten Gipfeltreffens „stellenweise hitzig diskutiert“ so Prof. Winfried Banzer, Mitautor der Nationalen Bewegungsempfehlungen.

Fehlendes Wissen & mangelnde Vernetzung als Hürden

Fehlendes Wissen der Mediziner über den Effekt und die angemessene Dosis von Sport und Bewegung, aber auch die fehlende und bürokratische Vergütung dieser Beratung durch die Krankenkassen sowie die mangelnde Vernetzung zwischen den Ärzte und den Anbietern von Sport und Bewegungskursen wurden unter anderem als Hürden identifiziert. Prof. Banzer sieht dieses Treffen in Hamburg als ganz wichtigen Schritt: „Nur gemeinsam können wir das schaffen. Wenn jede Interessensgruppe glaubt, in ihrem kleinen Reich bleiben zu können, dann kommen wir nicht weiter.“

Nach dem Gipfeltreffen im Workshopformat wurden die diskutierten Aspekte in einer Podiumsdiskussion aufgegriffen. Neben Joachim Becker, zuständig für den Bereich Prävention im Bundesministerium für Gesundheit und Kerstin Holze, Vize-Präsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes, Tanja Obst, Leiterin des Geschäftsbereichs Leistung der DAK-Gesundheit, saßen auch Prof. Braumann, Hamburger Sportmediziner und Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, und Christoph Holstein, Sportsstaatsrat der Hamburger Behörde für Inneres und Sport, im Podium.

Zitate

So wurde Staatsrat Holstein gleich zu Beginn mit den Worten zitiert: „Ärztinnen und Ärzte können eine Schlüsselfunktion in der Bewegungsförderung übernehmen – wir wollen Ärztinnen und Ärzte in Hamburg ermutigen, häufiger zu Bewegung zu beraten“.
Prof. Braumann ärgerte sich über die begriffliche Trennung von Prävention und Therapie und den sich damit verändernden Zuständigkeiten bei Krankenkassen: „Für mich ist es ganz klar: Man mogelt sich um die Zuständigkeiten herum.“ Er forderte, dass Bewegung „verdammt noch mal“ sich längst als wirksame Therapie erwiesen habe und eine angemessene Rolle im Gesundheitssystem erhalten müsse.
Frau Holze hält es für das Thema Bewegungsförderung insgesamt für notwendig, dass Sport und Bewegung mit dem Fokus Gesundheit und Prävention strukturell im Bundesministerium für Gesundheit verankert werden.
Herr Becker versprach abschließend diese „guten Impulse“ in ein Gespräch mit dem Bundesgesundheitsminister, Karl Lauterbach, zu nehmen.

Wer dabei war

Neben der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der DAK-Gesundheit, der Universität Hamburg sowie der Innenbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, die als Mitveranstalter dieses Treffen ausgerichtet haben, war unter anderem auch die Bundesärztekammer, der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), die deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS), der Bundesverband Nierdergelassener Kardiologen (BNK), die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sowie der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) und der Hamburger Sportbund (HSB) vertreten.

„Das war ein guter Einstieg in eine noch intensivere Zusammenarbeit der verschiedenen wichtigen Akteure, um Bewegungsförderung in unterschiedlichen Settings erfolgreich umzusetzen und insbesondere ein Rezept für Bewegung als ein wichtiges Tool zu stärken. Wir machen hier weiter!“, sagt Dr. Nils Schumacher, Initiator des Gipfeltreffens und einer der Organisatoren des Summits.

Quelle: Sports, Medicine and Health Summit