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13. Juni 2022

Heute schon gefühlt?

Mobiles Haptiklabor an der Alice-Solomon-Hochschule Berlin

Das Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin fördert ein mobiles Haptiklabor. Die Physiotherapeutin und Stiftungsrätin der Stiftung Manuelle Medizin Berlin, Prof. Dr. Claudia Winkelmann, freut sich über diese Förderung und nutzt das Labor in Forschung und Lehre an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin.

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PalSand / shutterstock.com

Obwohl das Tastsinnessystem für Befunde und Therapie benötigt wird, widmet sich die Forschung vergleichsweise wenig und auch erst in jüngster Vergangenheit diesem Sinnessystem. So verwundert es nicht, dass die Haptik neben den anderen Fachgebieten um Anerkennung kämpft und das Wissen zum Tastsinn sowie die Relevanz des Tastsinnessystems für die Arbeit mit und am Menschen noch wenig verbreitet ist. Forschungsgelder fließen spärlich und die Curricula lassen kaum Spielraum für Lehrprojekte und Werkstätten. Ganz anders sieht es jedoch in Marketing und Produktentwicklung in der Automobil- oder Kosmetik-Industrie aus. Hier spielt Haptik eine enorme Rolle.

Viele Fragestellungen

Dabei gibt es eine Vielzahl noch nicht abschließend beforschter Fragestellungen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung, wie die Untersuchung der Leistungsfähigkeit des aktiven Tastsinns bei Auszubildenden und langjährig tätigen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten oder die curriculare Verankerung von Test und Training der aktiven Tastsinnesleistungen in Aus- und Weiterbildungsgängen der Gesundheits- und Gesundheitsfachberufe, da weder in der Medizin noch in den Gesundheitsfachberufen valide haptische Schwellentests ähnlich dem Sehtest, Hörtest oder anderen Berufseinstiegstests durchgeführt werden oder  im Kontext des betrieblichen Gesundheitsmanagements die Korrelation von Empathie und haptischer Schwelle sowohl im Zusammenhang mit einer Leitungs- und Führungsfunktion als auch in der Gesundheitsversorgung oder die Untersuchung der Trainingsparameter (z. B. verschiedene Medien, Dauer der Anwendung, Wiederholung) für aktive Tastsinnesleistungen.

Forschungslücken schließen

Um diese Forschungslücken in Forschungs- und Lehrprojekten schließen und neue, interessante Fragestellungen identifizieren zu können, erhielt Claudia Winkelmann Fördermittel des IFAF Berlin zur Ausstattung ihres mobilen Haptik-Labors. Für die Ausstattung holte sie sich den Experten, Gründer und Leiter des Haptik-Forschungslabors der Universität Leipzig, Prof. Dr. Martin Grunwald, ins Boot. Das mobile Haptik-Labor umfasst spezielle Fahrschränke mit Haptik-Schwellentests, Haptik-Trainingssets und Haptik-Memories. Damit ist es möglich, vor Ort beispielsweise auch in Fachschulen oder Fort- und Weiterbildungseinrichtungen zu gehen, um Untersuchungen oder fachpraktische Vorlesungen und Seminare durchzuführen.

Für die Lehre haben die Leipziger und Claudia Winkelmann jetzt auch das erste Haptik Lehrbuch für die Therapie- und Gesundheitsberufe herausgebracht. So soll das geballte Wissen bereits in der Ausbildung geteilt und die Bedeutung des Fachgebietes gefördert werden.

Autorin: Prof. Dr. Claudia Winkelmann