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01. August 2022

Diabetes: Psychische Belastung berücksichtigen

Interdisziplinäre Therapie verspricht bessere Lebensqualität

Mittlerweile ist bekannt, dass eine interdisziplinäre Therapie bei Diabetes eine bessere Lebensqualität verspricht. Wichtig hierbei ist auch, die psychische Belastung der Betroffenen zu berücksichtigen. Zur Förderung diabetologischer Nachwuchskräfte vergibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) jährlich Stipendien zur Teilnahme an ihren Jahresveranstaltungen, die in Form von einer Reisekostenpauschale, der Tagungsgebühr und einer kostenlosen Workshop-Teilnahme gewährt werden. Der Psychologe Adrian Grimshaw am HDZ NRW wurde erneut mit dem Nachwuchsstipendium ausgezeichnet.

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Kateryna Novikova / shutterstock.com

„Chronisch kranke Menschen profitieren deutlich, wenn sie von interdisziplinären Behandlungsteams versorgt werden“, sagt Adrian Grimshaw. Der 34-jährige Fachpsychologe DDG arbeitet seit fast vier Jahren im Diabeteszentrum unter der medizinischen Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Und fasst mit seiner Aussage zusammen, was zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen.

Einbindung von Psychologie

Grimshaws Herzensthema ist die enge therapeutische Einbindung von Psychologen in das diabetologische Behandlungskonzept. Dieses Anliegen hat bereits doppelte Anerkennung der Deutschen Diabetes Gesellschaft gefunden, die ihn im Rahmen ihrer Nachwuchsförderung 2021 zur Herbsttagung nach Wiesbaden und in diesem Jahr zum Jahreskongress nach Berlin eingeladen hat. Die in seinen Motivationsschreiben formulierten Thesen zur Interdisziplinarität stießen bei der Fachgesellschaft auf offene Ohren: Unter den Stipendiaten in Wiesbaden war Adrian Grimshaw der einzige Psychologe. In Berlin haben nur zwei Psychologen gemeinsam mit zahlreichen jungen Ärztinnen und Ärzten das begehrte Reisestipendium erhalten.

Psychische Mitversorgung hilft

„Diabetes mellitus bezeichnet ja eigentlich als Sammelbegriff sehr vielfältige Störungen des menschlichen Stoffwechsels mit ebenso komplexen Auswirkungen auf fast alle wichtigen Organe“, sagt Adrian Grimshaw. „Betroffene werden daher mit den unterschiedlichsten und oft sehr belastenden Problemen konfrontiert, die bewältigt werden müssen. Eine psychologische Mitversorgung kann dabei entscheidende Hilfen anbieten und zu einem zufriedenstellenden Ergebnis beitragen. Das funktioniert nachweislich am besten in engem Zusammenschluss mit dem gesamten Behandlungsteam.“ Im Diabeteszentrum am HDZ NRW liegen die Arbeitsschwerpunkte des Fachpsychologen in der Beratung und Unterstützung von Menschen mit Diabetes und ihren Angehörigen. Zum Angebot zählen unter anderem die Medizinische Hypnose und Entspannungsverfahren. Über die Therapieergebnisse nach interdisziplinärer Zusammenarbeit wird sich Grimshaw vielleicht auf der diesjährigen DDG-Herbsttagung wieder mit anderen Experten austauschen können. Die Bewerbung auf sein drittes Stipendium ist bereits auf dem Weg. „Das wäre dann aber meine letzte Teilnahme als Youngster“, sagt Grimshaw augenzwinkernd. „Im nächsten Jahr bin ich zu alt für die Nachwuchsförderung.“

Quelle: idw

Literatur:

  • Lobmann, R., Rümenapf, G., Lawall, H. et al. Interdisziplinär versorgen. ProCare 23, 20–25 (2018).
  • Spraul, M. Interdisziplinäre Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. Diabetologe 5, 78 (2009)