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Praxis und Hochschule regional verknüpfen

Bericht von der Jubiläumstagung der HAWK

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Wie kann Forschung besser mit der Praxis verknüpft werden? Diese Frage stellte sich die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim / Holzminden / Göttingen (HAWK) anlässlich ihrer Jubiläumstagung am 24. Oktober 2015 in Hildesheim. Seit nunmehr zehn Jahren besteht der interdisziplinäre Masterstudiengang Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie; der Bachelorstudiengang existiert bereits seit 15 Jahren. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf die wachsende Kooperation zwischen Praxis und Hochschule zu werfen und sich zu überlegen, wie eine weitere gute Zusammenarbeit zwischen beiden gelingen kann.

 

Praxis trifft Hochschule?

Das seit 2013 bestehende Forschungsprojekt „Praxis trifft Hochschule“ (PTH) versucht Antworten zu finden, wie Praxis und Hochschule sinnvoll voneinander profitieren können. In gemeinsamen Forschungsprojekten werden Forschungsfragen aus der Praxis aufgegriffen, um diese an der Hochschule „bearbeiten“ zu lassen. Wie sich bisher zeigte, ist eine solche Zusammenarbeit nicht immer leicht: Während die Praxis schnelle Ergebnisse braucht, mahlen die „Mühlen der Hochschule“ eher langsam.

Praxis trifft Hochschule: Sieht kompliziert aus – könnte es auch sein.

Praxis trifft Hochschule: Sieht kompliziert aus – könnte es auch sein.

 

Gemeinsam gestaltete Forschungsprozesse

Aus Sicht der Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Hella von Unger, Ludwig-Maximilians-Universität München, bietet hier die partizipative Forschung eine geeignete Methode zur Verbesserung der Zusammenarbeit bestehender Kooperationen. Sie erläuterte in ihrem Keynote-Vortrag das von ihr mitentwickelte „Stufenmodell der Partizipation“. Um eine Partizipation beider Kooperationspartner erreichen zu können, seien die Einbeziehung, Mitbestimmung und Entscheidungskompetenz des jeweils anderen wichtig. Nur ein gemeinsam gestalteter Forschungsprozess könne zu einem gegenseitigen Verstehen der Partner und so zu einer wirklichen Veränderung führen. Sowohl die Wissenschaft als auch die Praxis würden dann vom Ergebnis der Kooperation profitieren.

Eine Auswahl der Referenten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Axel Schäfer, Jasmin Dürr, M. Sc., Prof. Dr. Ulla Beushausen, Prof. Dr. Barbara Betz,  Prof. Dr. Bernhard Borgetto

Eine Auswahl der Referenten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Axel Schäfer, Jasmin Dürr, M. Sc., Prof. Dr. Ulla Beushausen, Prof. Dr. Barbara Betz, Prof. Dr. Bernhard Borgetto

 

Wer profitiert?

In der anschließenden Podiumsdiskussion waren Praxispartner der HAWK eingeladen, über das Thema „Perspektiven aus der Praxis – Aufwand und Ertrag von Praxis-Hochschulkooperationen“ zu debattieren. Die Teilnehmer stellten das Wohl des Patienten als größten Motivator für ihre Zusammenarbeit mit der Hochschule dar. Die Aussicht auf eine gemeinsame Entwicklung von Leitlinien und der Zugang zu aktueller Forschungsliteratur sind weitere Anreize für eine Kooperation.

Verena Rogg, Lehrlogopädin in Hildesheim, betonte, dass eine Forschungskooperation absolut sinnvoll sei, wenn davon genau das Klientel profitiere, mit dem man es im Arbeitsalltag zu tun habe und für das der Praktiker nach Antworten suche. Die Qualität der Arbeit könne hierbei nur besser werden.

Etwas skeptischer äußerte sich Enrico de Ruiter, niedergelassener Physiotherapeut aus Hildesheim. Er wies auf den hohen Zeit- und Kostenaufwand hin, den eine Teilnahme an gemeinsamen Projekten mit der HAWK mit sich bringen würde. Ein Ertrag, den er persönlich aus dieser Zusammenarbeit ziehen könne, sei für ihn im Moment noch nicht sichtbar. Motivation sei bei ihm vorhanden, aber Aufwand und Ertrag müssten ebenso stimmen.

Die Tagung „Praxis und Hochschule regional verknüpfen“ wurde durch eine Posterausstellung zu aktuellen Kooperationsprojekten abgerundet. Die lebendige, positive Stimmung, die während des ganzen Tages an der HAWK Hildesheim herrschte, fand ihren Ausklang in einem gemeinsamen Buffet mit Musik und Tanz.

Gut besucht: die Veranstaltung „Praxis und Hochschule regional verknüpfen“

Gut besucht: die Veranstaltung „Praxis und Hochschule regional verknüpfen“

 

ABBILDUNGEN Carmen Driemel

 

pt_online: 04.11.2015

Autor

Carmen Driemel

Seit 1986 Physiotherapeutin; seit 1995 eigene Praxis in Berlin-Neukölln; 2013 Abschluss des Bachelorstudiums Physiotherapie / Ergotherapie an der ASH Berlin; seit April 2015 Masterstudium an der HAWK Hildesheim. 

carmendriemel@t-online.de

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