_Evidenzbasierte Therapie

Rehabilitation nach Schlaganfall: Wie kann Evidenz aus der Forschung in die klinische Behandlungspraxis integriert werden?

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Ein Forscherteam aus Kanada, China und Großbritannien untersuchte die Effektivität von Interventionen zur Implementierung von Evidenz aus der Forschung in die tägliche Praxis im Rahmen der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten. Bekannte wissenschaftliche Datenbanken wurden nach randomisierten kontrollierten Studien durchsucht, die zwischen 1980 und März 2019 publiziert worden waren. Die Forscher berücksichtigten Studien, wenn 1) die Teilnehmer klinisch tätige Experten in einer Schlaganfall-Rehabilitationseinrichtung waren, 2) die Interventionen eine Änderung in der klinischen Behandlungspraxis bewirken sollten und entweder mit keiner oder einer anderen Intervention verglichen wurden, 3) als Zielgrößen die Veränderung in der Behandlungspraxis oder die klinischen Ergebnisse für die Patienten beurteilt wurden. Das Verzerrungsrisiko wurde mittels REVMan und die Qualität der Evidenz mithilfe der GRADE-Kriterien evaluiert.

Die Forscher schlossen 16 Studien ein, die an 250 verschiedenen Standorten mit 14.698 Patienten durchgeführt worden waren. Die Interventionen umfassten Förderung, Überprüfung und Feedback sowie Schulungen und Erinnerungshilfen. In elf Studien wurde eine Kombination verschiedener Maßnahmen eingesetzt. Die meisten Studien beschäftigten sich mit mehreren Berufsgruppen oder multidisziplinären Teams und wurden auf Stations- oder Krankenhauslevel geclustert. Das Verzerrungsrisiko war insgesamt gering, ebenso die methodische Qualität der Studien.

Studien, in denen die Forscher sich auf wenige Outcomes fokussierten, ergaben eine effektivere Verbesserung der Behandlungspraxis als jene mit vielen Outcomes. Die Qualität der Studien, bei denen die Umsetzung der Therapieleitlinien am Standort unter Berücksichtigung lokaler Faktoren begleitet worden waren, war moderat. Die Effektivität variierte hierbei. Bei den vier Studien (1.628 Patienten), die nur Interventionen in Form von Schulungen durchgeführt hatten, waren keine signifikante Veränderung in der klinischen Praxis nachweisbar. Elektronische Erinnerungshilfen verbesserten die Einhaltung der evidenzbasierten Therapieleitlinien immens und auch die Mortalität der betreuten Patienten sank.

Mehrkomponenten-Interventionen, welche die lokalen Gegebenheiten am jeweiligen Standort berücksichtigen, können die klinische Behandlungspraxis ändern und somit optimieren. Edukative Maßnahmen sind isoliert nicht effektiv und sollten daher Teil einer Mehrkomponenten-Intervention sein. Maßnahmen zur Implementierung einer evidenzbasierten, leitliniengerechten Behandlungspraxis in der Schlaganfallrehabilitation sind dann am effektivsten, wenn nur eine kleine Zahl von Veränderungen zu einem gegebenen Zeitpunkt umgesetzt wird.

Quelle:

Bird ML, et al. 2019. Moving stroke rehabilitation evidence into practice: a systematic review of randomized controlled trials. Clin. Rehabil. May 8. [Epub ahead of print]
Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31066289

 

Heft 08-2019


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pt_Redaktion

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