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...und wieder locker lassen!

Die pt schreibt sich eigentlich von selbst

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Grafik: iluistrator / shutterstock.com

Ein Tagesprotokoll. Schlage nach einer kurzen Nachtruhe gegen 9:30 Uhr die Bettdecke zur Seite, koche Kaffee und checke Mails. Bereits um 5:11 Uhr hat Kollegin Tanja meine am Vortag verfasste Glosse per E-Mail kommentiert: „SUPERHAMMER!!!” Ich bin motiviert, zweiter und dritter Kaffee entfallen.

Auf Facebook haben sich ein paar Nachrichten angesammelt. Kollegin B. aus H. berichtet darüber, dass der Chef ihr vorgeschlagen habe, auf das sowieso schon karge Gehalt ganz zu verzichten. B. bittet um Hilfe. Magengrummeln stellt sich ein. Denke über verschiedene Möglichkeiten nach: Thema mit einem Juristen besprechen oder selbst nach H. fahren, um dem Boss von B. mal so richtig die Meinung zu geigen. Entscheide mich für zornigen Glossentext und liebe Mailantwort mit tröstenden Worten: Denk daran, liebe B., du bist nicht alleine in der großen, weiten Physiotherapeutenwelt. Viele von uns arbeiten mehr oder weniger ehrenamtlich und es gibt tatsächlich Menschen, die versuchen, diesen Zustand möglichst schnell zu beseitigen. (Und andere haben leider genau das Gegenteil im Sinn.)

Danach einige Telefonate. Kollege A. aus P. hat zwischen zwei Behandlungsterminen 30 Sekunden Zeit, um mit mir gemeinsam für einen komplexen Fachartikel fünf Bildunterschriften zu entwickeln. Wir sind erfolgreich und haben anschließend noch Gelegenheit, uns ausgiebig über das Wetter in P., A.s komplizierte Familienkonstellation und die aktuelle Berufspolitik im Allgemeinen zu unterhalten. Während des Gesprächs kommt eine WhatsApp-Nachricht aus Kenia: „Telefon funktioniert heute nicht, die Welt geht hier gerade unter, melde mich morgen.” Dafür bekommen wir ein tolles Feedback von Annemarie aus Brasilien. Ja, man liest uns sogar in Südamerika!

Zwei Minuten Zeit, um noch einige Fragen für eine „Sprechstunde” mit einer ehemaligen Profiboxerin zu entwickeln. Fragen müssen nett sein, Boxerin ist stärker als ich. Dann Skype-Konferenz mit der gesamten Redaktion.

Die Kolleginnen Doreen und Anna fassen das neue Evidenz-Update zusammen: Physiotherapie ist mal wieder überall hochevident. Wir freuen uns – damit ist das nächste Heft schon halb voll. Während weiterer, nun in gelöster Stimmung stattfindender Sitzung – TOP 2: Besuch eines Münchner Biergartens (vegane Brotzeit und alkoholfreies Bier) – kommt Nachricht von Jogi Löw über meinen Facebook-Messenger: exklusiver pt-vor-Ort-Artikel von der WM 2022 in Katar vom DFB genehmigt. Danach hat Jogi noch ein paar Fragen zu seinen Kniebeschwerden. Gebe den Kolleginnen Zeichen, sie mögen bitte leiser sein, ich hätte den Bundestrainer am Handy. Kollegin Sabrina signalisiert zurück: Es gehe nicht, sie spreche gerade mit einem in die Jahre gekommenen Rockstar, einige Details zur Exklusivstory über seine Hüft-Reha müssten noch geklärt werden.

Fortsetzung folgt …

Lesetipp
Die Glossen von Jörg Stanko gibt es jetzt auch als Buch:
Stanko J. 2017. Und wieder locker lassen! München: Richard Pflaum Verlag

 

Heft 1-2018

Autor

Jörg Stanko

Physiotherapeut seit 1992; bis 2013 in verschiedenen Praxen und Krankenhäusern tätig; Schriftsteller; schreibt Romane, Kinder­bücher und Ruhrgebietskrimis; Referent für kreatives Schreiben; Vater eines Sohnes; freier pt-Autor und pt-Redakteur

stanko@pflaum.de

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